Grau war nie die Abwesenheit von Farbe
Vilhelm Hammershøi hat fast sein ganzes Arbeitsleben lang dieselben wenigen Räume gemalt. In der Wohnung in der Strandgade 30 in Kopenhagen, in der er ab 1898 rund ein Jahrzehnt lebte, hielt er Türen fest, die sich zu weiteren Türen öffnen, einen Tisch vor einer leeren Wand, eine Frau von hinten und vor allem das Licht: flach, grau und gleichmäßig, als fiele es durch Wolken ins Fenster. Seine Palette war schmal, vor allem Grau, Weiß und gedämpftes Braun, und in seinen Händen wurde Grau beinahe zu einer eigenen Farbe. Seine Bilder halten eine nordische Art des Sehens fest, in der Helligkeit nicht dasselbe ist wie Licht.
Diese Haltung hat ihn überdauert. Poul Henningsen hat einen großen Teil seines Schaffens Leuchten gewidmet, die nicht blenden, und die hellen Böden, gekalkten Wände und matten Oberflächen einer Kopenhagener Wohnung erledigen bis heute den Rest. Kaum etwas in einem solchen Raum soll aufblitzen.

Polierte Metalle wirkten in dieser Umgebung immer ein wenig fremd. Als Marcel Breuer Mitte der 1920er-Jahre am Bauhaus begann, Stahlrohr zu Möbeln zu biegen, wurde Chrom zum Kürzel für das moderne Interieur: klar, industriell, ein Material, das direkt aus der Fabrik zu kommen schien. Chrom ist aber auch ein Spiegel. Es wirft Fenster, Leuchte und Raum zurück ins Auge und verändert sich mit jeder Bewegung dessen, der es ansieht.
Der Fernseher hatte im Wohnraum einen noch schwierigeren Platz. Als die ersten Geräte nach dem Zweiten Weltkrieg in die Wohnzimmer kamen, verkleideten die Hersteller sie oft als Möbel: Der Bildschirm saß in einem Holzschrank mit Türen, die man abends schließen konnte, damit der Raum aussah, als hätte sich nichts verändert.
Die deutlichste Antwort darauf kam aus Mailand. Brionvega, ein Hersteller von Radios und Fernsehern unter der Leitung des Unternehmers Giuseppe Brion, arbeitete in den 1960er Jahren eng mit zwei Gestaltern zusammen: dem italienischen Architekten Marco Zanuso und dem deutschen Designer Richard Sapper. 1964 entstand der Algol 11, ein Schwarzweißfernseher, klein genug, um ihn am Griff zu tragen. Das Kunststoffgehäuse ist nur etwa dreißig Zentimeter breit, der Elf-Zoll-Bildschirm füllt die ganze Front, Drehregler und Antenne sitzen oben. Ein Metallgriff lässt sich im Gehäuse versenken, und die Front ist leicht nach oben geneigt, sodass der Bildschirm zum Betrachter schaut, selbst wenn das Gerät auf dem Boden steht. Zanuso verglich diese Haltung mit einem Hund, der zu seinem Herrn aufblickt. Der Algol sollte von Raum zu Raum getragen und als eigenständiger Gegenstand betrachtet werden, und 1970 kam er in die Sammlung des Museum of Modern Art in New York. Brionvega baut ihn bis heute, mit neuer Technik im ursprünglichen Gehäuse.

Flachbildschirme haben den Schrank abgeschafft, aber nicht das Problem. Ausgeschaltet ist ein Fernseher in vielen Räumen immer noch die größte dunkle Fläche, ein schwarzes Rechteck an der Wand. Pedestal, ein dänisches Unternehmen mit Sitz in Aarhus, setzt am anderen Ende der Frage an und behandelt nicht den Bildschirm, sondern den Ständer als Möbel. Der Moon trägt den Fernseher auf einem Stahlgestell in weichen Kurven, die sich zu zwei gespreizten Beinen auf Rollen öffnen. Wie der Algol geht er davon aus, dass ein Bildschirm in mehr als einen Raum gehören kann. Der Moon Tall hebt dieselbe Idee etwas höher, der Moon Light reduziert sie auf ein einziges geschweißtes Rohr.

Bisher war Chrom die polierte Metallfassung dieser Gestelle. Cloudy Silver, vorgestellt im Oktober 2026, führt sie in eine andere Richtung: ein helles, gedämpftes Silber, das als Metall erkennbar ist, ohne sich wie ein Spiegel zu verhalten. Genau genommen ist die Oberfläche gar kein Metall, sondern eine keramische Beschichtung, in zwei Schritten aufgetragen und bei sehr hoher Temperatur eingebrannt, mit feiner Struktur und leichtem metallischem Schimmer. Auf Pedestals eigenen Fotos, aufgenommen in schlichten Räumen mit alten Fenstern und abgenutzten Betonböden, nimmt es das Grau des Tageslichts auf statt der Formen ringsum. Das Gestell tritt zurück, und der Bildschirm wird zur einzigen klaren Kante im Raum. Es ist gewissermaßen ein Hammershøi-Grau, aufgetragen auf Stahl.

Matte metallische Oberflächen sind nichts Neues. Regale, Büromöbel und Küchengeräte nutzen gebürstete, satinierte oder glasperlgestrahlte Metalle seit Jahrzehnten, meist weil man darauf weniger Fingerabdrücke sieht. Seltener ist diese Entscheidung bei einem Gegenstand, der meist danach beurteilt wird, wie gut er verschwindet. Neben Eiche oder Kiefer wirkt die Oberfläche kühl und leicht technisch, vor Beton oder Stein passt sie sich fast an, in einem Raum mit warmer Holzvertäfelung wird sie zum neutralen Element. Sie verlangt vom Rest des Raums nicht, zu glänzen.

Pedestal nähert sich demselben Gegenstand von der anderen Seite, und mit weniger Zurückhaltung. Sein Film Objects of Desire, vom Regisseur Finn Christian Peper auf 16-mm-Film gedreht und am 23. Oktober veröffentlicht, ist der zweite Teil einer Reihe, die das Unternehmen Dear Maria nennt. Im ersten entschied sich ein Mann in Athen für seinen TV-Ständer und gegen seine Freundin. Im zweiten nimmt er den Ständer nach einer Trennung mit in ein Haus an der Ägäis und verbringt träge Nachmittage mit ihm am Pool, bis jemand anderes auftaucht und der Ständer für eine Weile etwas an Bedeutung verliert.

Hinter der Leichtigkeit des Films steckt eine ziemlich alte Wahrheit. Die meisten Menschen haben schon einmal einen Gegenstand geliebt, einen Stuhl, der mehrere Umzüge überstanden hat, oder einen Mantel, den man behalten hat, lange nachdem er nicht mehr passte, und die wenigsten sagen es gern. Hammershøi hätte das vielleicht verstanden. Seine Räume sind fast menschenleer, und wer darin auftaucht, ist oft von hinten zu sehen. Gesellschaft leisten dem Maler ein Tisch, ein Stuhl, eine offen stehende Tür und das graue Licht, das darüber fällt.
Ein Fernseher wird nie das schönste Ding in einem Raum sein, und das muss er auch nicht. Interessanter ist, was ihn trägt, und ob dieser Gegenstand im Raum bestehen kann an den Tagen, an denen der Bildschirm dunkel bleibt. Bei Pedestal in Cloudy Silver ist die Antwort ein Möbel, das seine Farbe vom Wetter draußen bekommt. Ob man sich in so ein Möbel verliebt, ist eine andere Frage, und, wie der Film nahelegt, nicht unbedingt für immer.
Bilder: Courtesy of Pedestal. Filmstill: Objects of Desire, Regie Finn Christian Peper, 2026.